Hambüchen." Da schwillt mir der Kamm "

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Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen / Da schwillt mir der Kamm

Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen hat wenige Tage vor der Heim-WM (4. bis 13. Oktober) in Stuttgart kein Blatt vor den Mund genommen und unter anderem den Deutschen Turner-Bund (DTB) kritisiert.

"Das Grundproblem ist, dass es im deutschen Turnsport kaum Anreize gibt, den Trainerjob auszuüben. Und wo keine qualifizierten Trainer sind, gibt es irgendwann auch keinen nachrückenden Nachwuchs mehr", sagte er im Gespräch mit Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten.

Hambüchen berichtete von den Erfahrungen eines Freundes: "Ein Kumpel von mir ist jetzt Trainer in Österreich, dort hat er einen Zehnjahresvertrag bekommen. Hier hat man ihm einen Vertrag über ein halbes Jahr angeboten. Das ist ein Praktikum - und damit ein schlechter Witz."

Es sei ihm schleierhaft, so Hambüchen, wieso der DTB die heutige Erfolgsflaute - vor allem im deutschen Männerteam - seiner Meinung nach regelrecht selbst eingeleitet habe.

"2012 etwa haben wir bei den Olympischen Spielen in London drei Silbermedaillen gewonnen. Man war quasi auf dem Höhepunkt - und dann wurde uns vom Deutschen Turner-Bund ein Jahr später mitgeteilt, dass man keine Prämien mehr auszahlen könne, weil die Sponsoren abgewandert sind. Ja geht's noch? Da muss doch alles schief gelaufen sein", sagte er.

Hambüchen: "Da schwillt mir der Kamm"

Für bedenklich halte er zudem die Einstellung junger Athleten: "Die heutige Nachwuchs-Generation tickt anders als meine. Ich hatte immer den unbedingten Willen und den Ehrgeiz, als 15- oder 16-Jähriger den Alten schon den Rang abzulaufen und besser zu sein. Das sehe ich bei vielen heute nicht mehr. Da fehlt oft der Biss und das Feuer in den Augen."

Er habe das Gefühl, "dass die Instagram-Story wichtiger ist als das Training selbst. Und wenn ich schon höre, dass jemand als Berufswunsch Influencer oder YouTuber ausgibt - da schwillt mir der Kamm."

Hambüchen selbst verspürt noch immer "dieses Kribbeln" und dachte sogar kurz an ein Comeback.

"Geben Sie mir drei Monate Training, und ich bin wieder auf Top-Level", sagte er selbstbewusst, gab sich dann jedoch einsichtig: "Es hätte insgesamt wohl nicht allzu viel Sinn gemacht - denn wie kann man denn schöner abtreten als ich, mit dem Olympiasieg 2016? Wenn ich in Tokio nicht gewonnen hätte, wäre es in der öffentlichen Wahrnehmung gleich eine Klatsche gewesen, so ist das im Sport."

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